Theorie
Atmosphärische Korrosion braucht kein sichtbares Wasser. Sie läuft in einem Elektrolytfilm ab, der nur wenige Molekülschichten dick ist und sich aus der Luftfeuchte an der Oberfläche niederschlägt. Wer temporären Korrosionsschutz auslegen will, muss deshalb drei Größen kennen: wann dieser Film entsteht, was ihn leitfähiger macht und wodurch man ihn vom Metall fernhält. Alles Weitere auf dieser Seite folgt aus diesen drei Größen.
Was elektrochemisch passiert
Die atmosphärische Korrosion von Eisen ist eine Sauerstoffkorrosion in einem Dünnschichtelektrolyten. An der Anode geht Eisen in Lösung, an der Kathode wird der im Wasserfilm gelöste Sauerstoff zu Hydroxidionen reduziert. Die Elektronen fließen im Metall, die Ionen im Elektrolyten; der Stromkreis schließt sich also innerhalb des Bauteils, und genau deshalb reicht ein Wasserfilm von wenigen Molekülschichten aus. Aus den gelösten Eisenionen entstehen über mehrere Zwischenstufen die bekannten Eisenoxidhydrate. Der Rost ist damit das Produkt, nicht die Ursache.
Anode und Kathode liegen dabei nicht weit auseinander. Sie bilden sich als Lokalelemente auf ein und derselben Oberfläche: an Gefügeunterschieden, an Einschlüssen, an Kaltverformungszonen, an Schnittkanten und unter Schmutzpartikeln. Deshalb rostet ein Bauteil zuerst dort, wo es bearbeitet, gestrahlt oder angefasst wurde, und eben nicht gleichmäßig über die Fläche. Begriffe und Systematik der Korrosionsarten sind in DIN EN ISO 8044 (Ausgabe 2025-05) festgelegt; diese Norm hat die früher zitierte Reihe DIN 50900 abgelöst.
Wann Luftfeuchte zum Elektrolyten wird
Entscheidend ist nicht die sichtbare Nässe, sondern die relative Luftfeuchte. Dass Korrosion deutlich unterhalb von 100 Prozent relativer Feuchte einsetzt, hat W. H. J. Vernon bereits 1935 beschrieben; auf diese Arbeit geht das Konzept der kritischen Feuchte zurück. Für Eisen wird in der Korrosionsfachliteratur als Erfahrungswert eine kritische relative Luftfeuchte von etwa 60 Prozent genannt: Oberhalb davon bildet sich ein zusammenhängender Wasserfilm aus mehreren Molekülschichten, und die elektrochemische Reaktion läuft an. Ein zweiter Sprung wird zwischen 75 und 80 Prozent beschrieben und auf Kapillarkondensation in den Poren bereits gebildeter Korrosionsprodukte zurückgeführt. Das ist der physikalische Grund dafür, dass Rost sich beschleunigt, sobald er einmal angefangen hat.
Das Verpackungshandbuch des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft setzt die Schwelle für die Praxis vorsichtiger an: Korrosion kann bereits oberhalb von 40 Prozent relativer Luftfeuchte einsetzen und nimmt oberhalb von 60 Prozent rasch zu. Beide Angaben widersprechen sich nicht. Die 60 Prozent gelten für saubere Oberflächen in unbelasteter Luft, die 40 Prozent berücksichtigen hygroskopische Verunreinigungen. Denn die kritische Feuchte ist keine Naturkonstante: Hygroskopische Salze auf der Oberfläche senken sie ab, weil sie schon bei geringerer Luftfeuchte Wasser ziehen und eine leitfähige Lösung bilden. Das ist der Grund, warum Chloride so gefährlich sind: aus Seeluft, aus Streusalz, aus Handschweiß oder aus dem Prozesswasser.
Eine Zahl, die hier regelmäßig falsch zitiert wird: DIN EN ISO 9223 (Ausgabe 2012-05) arbeitet mit der Zeit der Benetzung und definiert diese über eine relative Luftfeuchte über 80 Prozent bei einer Temperatur über 0 Grad Celsius. Das ist eine andere Schwelle für einen anderen Zweck: sie dient der Einstufung von Atmosphären, nicht der Beschreibung des Reaktionsbeginns. Die 60 Prozent stammen aus der Fachliteratur und sind kein Normwert.
Taupunkt und Kondensation in der Verpackung
Kühlt Luft ab, sinkt ihr Fassungsvermögen für Wasserdampf. Am Taupunkt beträgt die relative Feuchte 100 Prozent; bei weiterer Abkühlung fällt Wasser flüssig aus. Ausfallen kann es an jeder Oberfläche, die kälter ist als der Taupunkt der Luft, die sie berührt. In einer Verpackung oder einem Seecontainer ist das oft die Hülle: Containerdecke, Kistendeckel oder Blechverschlag kühlen nachts schneller aus als das Packgut, und das Kondensat tropft von dort auf das Bauteil. Es kann aber genauso das Bauteil selbst sein. Eine schwere Stahlkomponente hält ihre Temperatur über Stunden; kommt sie aus dem Kühllager oder aus einer kalten Nacht in wärmere, feuchtere Umgebungsluft, beschlägt sie als Erste, und zwar auch dann, wenn die Verpackung längst wärmer ist. Für die Praxis folgt daraus zweierlei. Erstens gehört der Temperatur- und Feuchtelogger ins Packstück und nicht nur in den Container, weil erst dort sichtbar wird, welche Fläche den Taupunkt unterschreitet. Zweitens wird ein kaltes Bauteil vor dem Auspacken, dem Konservieren und dem Weiterverarbeiten in seiner Verpackung akklimatisiert; wer es sofort öffnet, erzeugt genau den Wasserfilm, gegen den die ganze Kette gebaut ist. Ein Bauteil, das warm eingepackt wird, bringt sein eigenes Kondensat mit: Die eingeschlossene Luft und die Feuchte in Holz, Papier und Karton bleiben im Paket. Wer über Klimazonen versendet, verpackt deshalb nicht nur das Bauteil, sondern auch einen Feuchtevorrat.
Die vier Erscheinungsformen, die im Betrieb wirklich vorkommen
- Flächenkorrosion und Flugrost. Flächiger, oberflächlicher Angriff nach kurzer Feuchteeinwirkung. Kosmetisch, aber Auslöser für Nacharbeit und Reklamation.
- Loch- und Muldenkorrosion. Örtlicher Angriff, ausgelöst vor allem durch Halogenidionen wie Chlorid, die die Passivschicht örtlich durchbrechen. Für nichtrostende Stähle ist das die eigentliche Gefahr, weil die Fläche daneben unversehrt aussieht.
- Spaltkorrosion. In engen Spalten, also in Gewinden, Passungen, Schweißüberlappungen und unter Klebebändern und Etiketten, verarmt der Elektrolyt an Sauerstoff, und der Spalt wird zur Anode. Ein Schutzfilm, der nicht in den Spalt kriecht, schützt dort nicht.
- Kontaktkorrosion. Berühren sich zwei Metalle unterschiedlichen elektrochemischen Potenzials in Gegenwart eines Elektrolyten, wird das unedlere zur Anode und löst sich bevorzugt auf. Praktisch relevant an Stahl-Aluminium- und Stahl-Buntmetall-Paarungen, an Edelstahlschrauben in Aluminium und an Bauteilen, die auf feuchten Stahlpaletten gestapelt werden.
Warum Fingerabdrücke ein Startpunkt sind
Handschweiß enthält Wasser, Chloride, Milchsäure und Harnstoff. Er bringt damit gleichzeitig den Elektrolyten, das depassivierende Chlorid und einen hygroskopischen Rückstand auf die Oberfläche. Das sind alle drei Bedingungen aus dem ersten Unterabschnitt, konzentriert auf eine örtlich begrenzte Stelle. Der Abdruck bildet sich als Muster ab, weil genau dort die kritische Feuchte lokal unterschritten wird.
Konserviert wird nach der letzten manuellen Handhabung, nicht davor. Ab da wird mit Handschuhen weitergearbeitet.
Die Schutzprinzipien
Barriere. Ein Öl-, Wachs- oder Trockenfilm trennt Metall und Atmosphäre mechanisch. Er hält Sauerstoff und Wasser fern, solange er geschlossen ist. Filmtyp und Filmstärke bestimmen Handhabbarkeit und Schutzdauer: Ein öliger Film ist kriechfähig, benetzt Spalte und bleibt klebfrei, muss aber entfernt werden; ein wachsartiger Film ist dicker und robuster, hält länger und verlangt eine aufwendigere Entfernung; ein trockener, transparenter Film lässt sich etikettieren und anfassen, hat aber weniger Reserve gegen mechanische Verletzung.
Inhibition. Inhibitoren sind polare Moleküle, die mit ihrer funktionellen Gruppe an der Metalloberfläche adsorbieren und mit dem unpolaren Rest nach außen zeigen. Sie verdrängen Wasser von der Grenzfläche und hemmen die anodische oder die kathodische Teilreaktion. Ein Inhibitor wirkt damit an der Grenzfläche und nicht über die Schichtdicke. Deshalb leisten schon sehr dünne inhibierte Filme deutlich mehr als ein reines Öl gleicher Dicke.
Restwasserverdrängung. Nach wässriger Bearbeitung, Reinigung oder Spülung bleibt Wasser in Spalten, Sacklöchern und Gewinden zurück. Wasserverdrängende Fluide enthalten grenzflächenaktive, stark adsorbierende Komponenten, die das Wasser vom Metall ablösen; das Wasser koalesziert, sinkt ab und wird im Bad abgeschieden, und zurück bleibt ein inhibierter Schutzfilm. Die TRGS 615 (Ausgabe Mai 2007) führt diese Produktgruppe ausdrücklich als nichtwassermischbare organische Flüssigkeiten, die wasserverdrängend wirken und korrosionsschützende Dünnfilme hinterlassen. Der Punkt ist prozesskritisch: Ein Konservierungsöl ohne Wasserverdrängung, das auf feuchte Teile aufgebracht wird, schließt das Wasser unter dem Film ein. Der Schutzfilm wird dann selbst zur Ursache.
Dampfphaseninhibitoren (VCI). VCI-Wirkstoffe sublimieren aus einem Trägermaterial wie Papier, Folie, Schaum, Emitter oder Öl, verteilen sich in der geschlossenen Verpackung und schlagen sich auf allen erreichbaren Metallflächen nieder, auch in Hohlräumen, die kein Sprühstrahl trifft. Das GDV-Verpackungshandbuch nennt eine Wirkdauer von bis zu zwei Jahren, einen Abstand des VCI-Materials zum Packgut von höchstens 30 Zentimetern und eine Dosierung von etwa 40 Gramm Wirkstoff je Kubikmeter Luftraum. Die TRGS 615 nennt zusätzlich eine Schutzwirkung erst ab mindestens 10 Grad Celsius. Dieser Punkt wird im Winterversand regelmäßig übersehen.
Trockenmittel. Statt das Metall zu beschichten, wird der Luftraum entfeuchtet. Nach DIN 55474 (2015-03) wird der Bedarf rechnerisch bestimmt; eine Trockenmitteleinheit nach DIN 55473 (2021-07) adsorbiert mindestens 3,0 Gramm Wasserdampf bei 20 Prozent relativer Luftfeuchte und mindestens 6,0 Gramm bei 40 Prozent. Das funktioniert ausschließlich in einer Sperrschichtverpackung. Trockenmittel in einer atmenden Hülle ist verlorenes Geld.
Passivierung. Die Umwandlung der Oberfläche in eine stabile Deckschicht, etwa durch Brünierung, ist kein temporärer Schutz im engeren Sinn. Eine Brünierschicht ist mikroporös und für sich allein kaum korrosionsbeständig; sie braucht eine Nachbehandlung, die die Poren versiegelt.
Belege: DIN EN ISO 8044 (2025-05) für Begriffe und Systematik der Korrosionsarten; DIN EN ISO 9223 (2012-05) für die Definition der Zeit der Benetzung; TRGS 615 (Mai 2007), Nummer 2, für die Produktgruppen einschließlich der wasserverdrängenden Fluide und für die VCI-Schutzwirkung ab 10 °C; GDV-Verpackungshandbuch (Zugriff 09.08.2026) für VCI-Abstand, VCI-Dosierung, Feuchteschwellen und Trockenmitteleinheiten; DIN 55473 (2021-07) und DIN 55474 (2015-03) für die Trockenmitteleinheit und ihre Berechnung; W. H. J. Vernon, Trans. Faraday Soc. 31 (1935), als Konzeptquelle der kritischen Feuchte. Der Zahlenwert von etwa 60 Prozent ist ein Erfahrungswert aus der Korrosionsfachliteratur und ausdrücklich kein Normwert.
↑ Zurück zum InhaltAnwendung in der Praxis
In der Fertigung entscheidet nicht das Produkt über den Schutz, sondern die Kette. Sie hat fünf Glieder, und jedes einzelne kann den Schutz kippen, auch wenn die anderen vier stimmen. Die häufigste Ursache dafür, dass ein Mittel „nicht gehalten hat“, ist eine Fehlstelle im Film oder ein feuchtes Bauteil unter dem Film, nicht ein zu schwacher Inhibitor.
Fünf Glieder, fünf Kippstellen
Erstens der Zustand vor der Konservierung. Ist das Bauteil trocken oder restnass, sauber oder mit Emulsionsresten, Spänen und Strahlgut belegt? Ein Schutzfilm über einem Rückstand aus wassergemischtem Kühlschmierstoff konserviert den Rückstand mit. Für restnasse Teile gibt es zwei tragfähige Wege: entweder ein kontrolliertes, im Serienbetrieb nachweisbares Trocknen vor der Konservierung oder ein wasserverdrängendes Produkt, das das Wasser im Auftragsschritt selbst von der Oberfläche ablöst. Welcher der beiden richtig ist, entscheiden Geometrie (Sacklöcher, Gewinde, Spalte), Durchsatz, vorhandene Trocknungstechnik und die Frage, ob sich der Trocknungserfolg reproduzierbar belegen lässt. Was nicht trägt, ist die dritte Variante: ein reines Konservierungsöl auf ein Bauteil, dessen Restfeuchte niemand geprüft hat. Wie Emulsionsrückstände und Restwasser überhaupt entstehen und wie man sie im laufenden Prozess klein hält, steht auf der Seite zur Metallbearbeitung.
Zweitens das Auftragsverfahren. Die TRGS 615 nennt für die Produktgruppen Tauchen, Sprühen, Streichen und Walzen. Das Verfahren bestimmt die Schutzdauer im Betrieb oft stärker als die Rezeptur. Tauchen erreicht Bohrungen, Gewinde und Spalte und liefert einen geschlossenen Film. Sprühen erzeugt an jeder Hinterschneidung eine Schattenzone. Streichen ist bei Einzelteilen sauber, bei Serienteilen aber nicht reproduzierbar. Fluten liegt dazwischen.
Drittens Ablüften und Handhabung. Lösemittelhaltige Produkte müssen ablüften, bevor gestapelt oder verpackt wird. Wer zu früh stapelt, presst den Film an den Auflagepunkten weg und schließt zugleich Lösemittel ein.
Viertens die Verpackung. Barriere allein, Barriere plus VCI oder Sperrschichtverpackung plus Trockenmittel. Für Seefracht ist die Kombination die Regel und nicht die Ausnahme. Die Verpackung gehört damit in die Schutzspezifikation und ist kein Nachgedanke der Logistik.
Fünftens Transport und Lager. Innenlager, Außenlager unter Dach und Seefracht durch mehrere Klimazonen unterscheiden sich in der Belastung um Größenordnungen. Wie stark, steht weiter unten.
Filmtyp und Folgeprozess gehören zusammen gedacht
Die Frage „welcher Film“ ist immer auch die Frage „was passiert danach“. Ein dünner öliger Film lässt sich wässrig-alkalisch entfernen und ist für die Zwischenlagerung zwischen zwei Bearbeitungsschritten die richtige Wahl. Ein wachsartiger Film hält länger, verlangt aber einen definierten Entfettungsschritt. Ein transparenter Trockenfilm erlaubt Etikettierung und Handhabung ohne Handschuhabdrücke, hat dafür weniger Reserve gegen mechanische Verletzung.
Ebenfalls vorab zu klären ist die Verträglichkeit. Elastomere und Dichtungen können in Kohlenwasserstoffen quellen. Lösemittelhaltige Produkte greifen manche Lacke und Kunststoffe an, besonders ABS, Polycarbonat und Polystyrol. Buntmetalle reagieren empfindlich auf bestimmte Inhibitorchemien, weshalb es eigene Buntmetallformulierungen gibt. Und nicht jedes Konservierungsmittel verträgt sich mit VCI-Folie; bei kombinierten Systemen ist das eine eigene Freigabe.
Der teuerste Fehler ist ein Film, der nicht sicher herunterkommt
Reste eines Konservierungsöls unter einer Lackierung führen zu Haftungsverlust und Unterrostung. Beim Schweißen erzeugen sie Poren, Spritzer und Rauch. Beim Kleben bilden sie eine Trennschicht genau dort, wo die Verbindung tragen soll. Bei einer galvanischen oder einer Pulverbeschichtung führen sie zu Krater- und Benetzungsfehlern. Das Unangenehme daran ist, dass die Ursache am Ende der Kette gesucht wird: Die Fehlersuche läuft in der Lackiererei, während die Entscheidung in der Konservierung gefallen ist.
Wer die Konservierung auswählt, muss den Reiniger und den Reinigungsprozess deshalb schon kennen. Konservierung und Reiniger werden als Paar freigegeben und nach jeder Änderung an einem der beiden erneut belegt, und zwar über eine definierte Restfilmprüfung und nicht über den Augenschein. Welcher Reiniger im Einzelfall passt, hängt von Bauteilgeometrie, Werkstoff, Anlagentechnik und Folgeprozess ab; das klärt die Anwendungstechnik zusammen mit dem Betrieb und nicht eine Produktempfehlung auf einer Übersichtsseite.
Schutzdauer: nur mit Bedingung eine Aussage
Wie schnell ungeschütztes Metall angegriffen wird, beschreibt DIN EN ISO 9223 (2012-05) über Korrosivitätskategorien. Die Norm gibt dafür die Korrosionsrate im ersten Expositionsjahr an, gemessen an genormten Standardproben und angegeben wahlweise als Massenverlust oder als Dickenverlust. Für unlegierten Kohlenstoffstahl reicht der Dickenverlust von höchstens 1,3 Mikrometer je Jahr in C1 über 1,3 bis 25 Mikrometer in C2, über 25 bis 50 in C3, über 50 bis 80 in C4, über 80 bis 200 in C5 bis zu über 200 und höchstens 700 Mikrometer je Jahr in CX. Zwischen einem klimatisierten Innenlager und einer Offshore-Situation liegen damit gut zwei Zehnerpotenzen. Dieselbe Konservierung ist im einen Fall überdimensioniert und im anderen unzureichend.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, sonst wird die Tabelle überstrapaziert. Erstens gelten die Werte für Standardproben aus einem definierten Werkstoff, nicht für Ihr Bauteil mit seiner Geometrie, seinem Gefügezustand und seiner Oberflächenvorbereitung. Zweitens ist die Rate des ersten Jahres nicht linear fortschreibbar: Deckschichten verändern den Angriff im weiteren Verlauf. Die Kategorien ordnen Standorte zueinander ein; sie ersetzen keine Auslagerung.
Für die Seefracht kommt hinzu, was das GDV-Verpackungshandbuch beschreibt: hoher Salzgehalt in Wasser und Luft, extreme Temperaturwechsel beim Durchfahren der Klimazonen und die daraus folgende Kondensation in der Verpackung. Eine belastbare Angabe lautet deshalb niemals „schützt zwölf Monate“, sondern „schützt zwölf Monate bei Innenraumlagerung, unverletztem Film und ohne Kondensation“. Für den Seeweg braucht es eine eigene, getrennt spezifizierte Aussage.
Verlangen Sie eine Schutzdauer nie ohne Bedingung. Eine Zahl ohne Lagerklasse, Filmzustand und Kondensationsannahme ist nicht prüfbar und damit im Reklamationsfall wertlos.
Wie man einen Schutzzeitraum wirklich qualifiziert
Die belastbare Antwort auf die Frage „wie lange hält das bei uns“ steht in keinem Datenblatt. Sie entsteht aus einer Auslagerung unter den eigenen Bedingungen, und der Aufwand dafür ist kleiner als der einer einzigen Seefracht-Reklamation. Ein Qualifizierungsplan, der im Streitfall trägt, hat fünf Bestandteile.
Die fünf Bestandteile und die Zahlen darin sind eine betriebliche Festlegung. Sie folgen aus der Sache und nicht aus einem Regelwerk: Uns ist keine Norm bekannt, die einen solchen Plan vorschreibt. Deshalb steht die Begründung bei jeder Zahl dabei. Wer weiß, woher eine Zahl kommt, kann sie an seine Stückzahlen, seine Schutzdauer und sein Prüfbudget anpassen; eine Zahl ohne Herkunft kann er nur glauben oder verwerfen.
- Referenzteile, die den ungünstigsten Fall abbilden. Nicht das einfachste Teil, sondern das mit tiefen Sacklöchern, Gewinden, Passungen, Schnittkanten, Auflagepunkten im Gestell und gemischten Werkstoffpaarungen. Betrieblich festgelegt: mindestens drei gleiche Teile je Prüfpunkt. Bei einem Teil ist jeder Befund ein Einzelfall, bei zwei lässt sich eine Abweichung nicht einordnen; ab drei wird unterscheidbar, ob ein Ausreißer oder ein Trend vorliegt. Wer mehr Teile prüfen kann, gewinnt Aussagesicherheit. Jedes Referenzteil wird vor der Konservierung fotografiert, dazu Charge, Vorprozess und Befund zur Restfeuchte dokumentiert.
- Konservierung und Verpackung genau wie im Serienfall. Gleiches Auftragsverfahren, gleiche Ablüftzeit, gleiche Stapelung, gleiche Verpackung einschließlich VCI-Material, Trockenmittelmenge, Folie und Verschlussart. Eine Qualifizierung, die mit sorgfältiger Handarbeit entsteht, belegt nichts über eine Serie, die sprüht und sofort stapelt.
- Die reale Route, nicht das Musterlager. Die Referenzteile laufen in einer echten Sendung mit, mit einem Temperatur- und Feuchtelogger im Packstück und nicht nur im Container. Bei Wechsel von Route, Jahreszeit, Verpackung, Reeder oder Umschlagpunkt wird die Qualifizierung wiederholt.
- Prüfpunkte statt eines einzigen Endtermins. Betrieblich festgelegt: je ein Zwischenstand nach etwa einem Viertel und nach etwa der Hälfte der geplanten Schutzdauer, dazu die Bewertung am Zielort. Die Lage der beiden Punkte ist aus der Sache begründet und nicht aus einem Regelwerk abgeleitet. Der erste liegt früh genug, dass ein Frühausfall noch während der Sendung auffällt; der zweite macht aus zwei Einzelbefunden eine Richtung, statt am Ende nur einen Endzustand zu liefern. Wer nur am Ende hinsieht, weiß im Schadensfall nicht, ob der Schutz nach zwei Wochen oder nach fünf Monaten versagt hat, und damit auch nicht, welches Glied der Kette zu ändern ist.
- Annahmekriterien, die vorher schriftlich feststehen. Üblich sind: kein Korrosionsangriff an Funktions- und Dichtflächen; an nicht funktionalen Flächen ein benannter Grenzwert, für den die Rostgrade A bis D nach DIN EN ISO 8501-1 (2007-12) eine benennbare Skala liefern; kein Kondensat im Packstück; geschlossener Filmzustand an den festgelegten Referenzstellen; und eine bestandene Restfilmprüfung nach dem vorgesehenen Reinigungsschritt. Diese Kriterien werden vor der Auslagerung festgelegt, nicht danach ausgehandelt.
Das Ergebnis ist eine Schutzdauerangabe, die ihre Bedingung mitträgt (Route, Verpackung, Klimaband und bewertetes Referenzteil) und die deshalb im Reklamationsfall standhält. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer belegten Aussage und einer Zahl.
Belege: TRGS 615 (Mai 2007), Nummer 2, für die Auftragsverfahren Tauchen, Sprühen, Streichen und Walzen sowie für die Einteilung der Produktgruppen; DIN EN ISO 9223 (2012-05), Tabelle 2, für die Korrosionsraten unlegierten Kohlenstoffstahls im ersten Expositionsjahr in den Kategorien C1 bis CX; DIN EN ISO 8501-1 (2007-12) für die Rostgrade als Bewertungsskala; GDV-Verpackungshandbuch (Zugriff 09.08.2026) für Salzfracht, Klimazonenwechsel, Kondensation im Seetransport und die Auspackprüfung an Referenzteilen. Der Qualifizierungsplan selbst ist eine betriebliche Festlegung; ein Regelwerk, das ihn vorschreibt, ist uns nicht bekannt.
↑ Zurück zum InhaltNutzen im Betrieb
Korrosionsschutz zahlt sich in vier Währungen aus, und keine davon heißt „Schutz“. Er trifft immer das teuerste Lagerstadium: ein Bauteil, in dem die gesamte Wertschöpfung bereits steckt. Genau das macht den Unterschied zwischen einer Konservierung, die als Kostenposition geführt wird, und einer, die als Risikoposition verstanden wird.
Ausschuss und Nacharbeit
Ein Flugrostfleck auf einer fertig bearbeiteten Funktionsfläche bedeutet Umarbeiten, Umschleifen oder Verschrotten. Anders als ein Maßfehler in der ersten Aufspannung entsteht er am Ende der Prozesskette, wenn Rüstzeit, Werkzeugeinsatz und Prüfaufwand bereits bezahlt sind. Der Materialwert ist dabei meist der kleinste Teil des Verlustes.
Reklamationen und Lieferfähigkeit
Rost ist der Mangel, den ein Kunde ohne Messmittel erkennt, fotografiert und reklamiert. Eine Reklamation aus einer Seefrachtsendung kostet neben dem Bauteilwert die doppelte Fracht, den Terminverzug und einen Teil des Vertrauens. Wer über Klimazonen liefert, kauft mit der Verpackungsspezifikation deshalb keine Verpackung, sondern Termintreue.
Prozesskosten weiter hinten
Ein sicher entfernbarer Film hält den Reinigungsschritt kurz und die Lackier- oder Klebelinie stabil. Ein schlecht entfernbarer Film erzeugt Haftungsprobleme, deren Ursache in der falschen Abteilung gesucht wird. Die Fehlersuche dauert entsprechend lang. Die Entscheidung über die Entfernbarkeit fällt Wochen vorher und wird selten dort verbucht, wo sie wirkt.
Bestandsflexibilität
Wer sicher konservieren kann, kann auf Vorrat fertigen und Losgrößen von Abrufterminen entkoppeln. Ohne verlässlichen Schutz muss auf Abruf gefertigt werden, was Rüstkosten treibt und kleine Lose erzwingt. Die Konservierung ist damit eine Voraussetzung der Fertigungssteuerung und nicht nur ein Oberflächenthema.
Beleg: Diese Einordnung folgt aus den in den Abschnitten Theorie und Anwendung belegten Zusammenhängen, insbesondere aus den Korrosivitätskategorien nach DIN EN ISO 9223 (2012-05). Prozentzahlen zu erzielten Einsparungen nennen wir nicht: Uns liegen dafür keine belastbaren, veröffentlichungsfähigen Betriebsdaten vor.
Ihre Anwendung
Innenlager, Außenlager oder Seefracht?
Die drei Aufgaben verlangen unterschiedliche Schutzsysteme. Aus Ihren Angaben zu Bauteil, Vorprozess, Lagerort, Transportweg und Folgeprozess entsteht eine technische Einordnung und keine Produktliste aus dem Katalog.
Risiken
Die Risiken des temporären Korrosionsschutzes liegen an zwei Stellen. Am Bauteil kann eine falsch gesetzte Konservierung den Schaden verdecken, statt ihn zu verhindern; ob sie das tut, entscheidet der Prozess und nicht das Mittel allein. Am Arbeitsplatz sind Lösemittel, Aerosole und die Bildung von N-Nitrosaminen zu beurteilen. Der zweite Teil ist der unbequemere, und er ist der Grund, warum es für diese Produktgruppe eine eigene Technische Regel gibt.
Der Film, der das Problem einschließt
Wird über eine feuchte, salzhaltige oder verschmutzte Oberfläche konserviert, bleibt der Elektrolyt unter der Barriere. Die Korrosion läuft dann unsichtbar weiter, und der Schaden fällt erst beim Auspacken auf, also beim Kunden und nicht im eigenen Werk. Das ist der teuerste Schadensverlauf dieser Seite, weil er die Prüfung im eigenen Haus überspringt.
Ob ein Film die Situation rettet oder verschlimmert, ist damit aber nicht pauschal entschieden. Es hängt an Art und Menge der Verunreinigung, am Wasserverdrängungs- und Kriechvermögen des eingesetzten Produkts und daran, ob genau diese Kombination aus Bauteilzustand und Mittel qualifiziert wurde. Ein wasserverdrängendes Produkt ist für den restnassen Fall entwickelt und kann ihn beherrschen. Was ohne diesen Nachweis bleibt, ist ein unkontrolliertes Risiko: Konservieren über einem ungeprüften Oberflächenzustand ist keine Schutzmaßnahme, sondern eine Annahme.
Fehlstellen und Kontaktflächen
Auflagepunkte in Gestellen, Anschlagpunkte, Abtropfkanten und Bereiche unter Klebeband oder Etiketten sind systematisch unterversorgt. Der Spalt unter einem Etikett ist ein Lehrbuchfall für Spaltkorrosion: sauerstoffarm, elektrolythaltig und für jeden Sprühstrahl unerreichbar.
Wenn die Verpackung selbst zur Ursache wird
Feuchtes Holz, saure Papiere, ungeeignete Kunststoffe und blanke Stahlpaletten können die Situation verschlechtern statt sie zu verbessern. Bei gemischter Verpackung von Stahl- und Aluminiumteilen entstehen galvanische Paarungen, sobald Kondensat auftritt. Und VCI-Systeme sind nicht automatisch für alle Werkstoffgruppen freigegeben.
N-Nitrosamine: der unbequeme Punkt
Korrosionsschutzmittel können sekundäre Amine enthalten. Kommen nitrosierende Agenzien hinzu, also Nitrit, Stickoxide oder salpetrige Säure, können krebserzeugende N-Nitrosamine entstehen. Die TRGS 615 (Mai 2007) regelt genau diesen Fall und benennt die Eintragspfade sehr konkret: Abgase von Verbrennungsmotoren und von gas- oder dieselbetriebenen Gabelstaplern, Schweißgeräte, Tabakrauch, nitrithaltige Reinigungsmittel und Härtesalze, nitrithaltig vorkonservierte Zukaufteile sowie die bakterielle Reduktion von Nitrat zu Nitrit in wässrigen Systemen. Begünstigend wirken hohe Konzentrationen der Reaktionspartner, hohe Temperaturen, saure pH-Werte, deren Bildungsoptimum meist zwischen pH 2 und pH 5 liegt, und Anwendungen mit Aerosolbildung. Wer wassergemischte Korrosionsschutzemulsionen im Kreislauf fährt, hat damit dieselbe Überwachungsaufgabe wie bei der Pflege wassergemischter Kühlschmierstoffe.
Hautkontakt
Die TRGS 615 verlangt, den Hautkontakt durch technische Maßnahmen auf das unvermeidliche Maß zu begrenzen, verweist auf die TRGS 401 und weist darauf hin, dass bei einer Reihe von N-Nitrosaminen mit erheblicher Hautresorption zu rechnen ist. Lösemittelhaltige Produkte entfetten die Haut zusätzlich. Die Beurteilung der Hautgefährdung, die Auswahl geeigneter Schutzhandschuhe und der Hautschutzplan sind nach TRGS 401 (Oktober 2022, zuletzt geändert im September 2024) Aufgabe des Betriebs.
Lösemittel, Brand und Emission
Lösemittelbasierte Konservierungsöle bringen einen Flammpunkt, eine Lösemittelfracht und beim Sprühen einen Aerosolanteil mit. Sprühkabinen brauchen Absaugung, Zündquellenfreiheit und eine Betrachtung explosionsfähiger Atmosphären, und die Ablüftzone gehört mit betrachtet, nicht nur die Kabine selbst. Einstufung, Kennzeichnung und Entsorgung ölhaltiger Reinigungs- und Spülbäder ergeben sich aus dem jeweiligen Sicherheitsdatenblatt und aus der Gefährdungsbeurteilung nach Gefahrstoffverordnung; diese Seite gibt dazu keine Rechtsberatung.
Falsche Sicherheit durch Prüfzahlen
Die Salzsprühnebelprüfung nach DIN EN ISO 9227 (2024-10) läuft unter konstant harten Bedingungen: ohne Trocknungsphasen, ohne UV-Belastung und ohne Temperaturwechsel. Die Ergebnisse eignen sich zum Rangieren von Rezepturen, nicht zur Vorhersage von Lagerzeiten; die schlechte Übertragbarkeit beschleunigter Labortests auf das Feldverhalten ist in der Fachliteratur dokumentiert. Hinzu kommt, dass die Norm drei Verfahren kennt: die neutrale Salzsprühprüfung, die essigsaure und die kupferbeschleunigte essigsaure Variante. Eine Stundenangabe ohne Verfahren und ohne Prüfaufbau ist zwischen zwei Prüfstellen nicht vergleichbar. Die belastbare Frage im Lieferantengespräch lautet deshalb nicht „wie viele Stunden“, sondern „nach welchem Verfahren, auf welchem Substrat, mit welcher Auflagenmenge, und wo ist das Prüfprotokoll“.
Mikrobiologie in wassergemischten Systemen
Wassermischbare Korrosionsschutzemulsionen sind Nährböden wie jeder wassergemischte Kühlschmierstoff. Bakterienwachstum senkt den pH-Wert, zerstört Inhibitoren und erzeugt über die Reduktion von Nitrat genau das Nitrit, das man in einem aminhaltigen System nicht haben will. Die Keimüberwachung ist damit kein Hygienethema, sondern Teil der Nitrosaminvorsorge.
Belege: TRGS 615 (Mai 2007), Nummern 3.2 bis 3.6 für Vermischungsverbot, Eintragspfade und Hautkontakt sowie Nummern 4.2, 4.3 und 5.1 bis 5.4 für Grenzwerte und Überwachung; TRGS 401 (Oktober 2022, zuletzt geändert GMBl 2024 S. 769) für die Beurteilung der Hautgefährdung; GefStoffV in der Fassung vom 17.12.2025 für Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen; DIN EN ISO 9227 (2024-10) für die drei Salzsprühverfahren; Q-Lab und die in den Quellen genannte Übersichtsarbeit zur Korrelation beschleunigter Prüfungen mit dem Feldverhalten.
↑ Zurück zum InhaltPräventivmaßnahmen
Die folgende Aufstellung ist so gebaut, dass sie in eine Prüfanweisung übernommen werden kann: was gemessen oder geprüft wird, in welchem Abstand, gegen welches Kriterium und woher das Kriterium stammt. Wo eine Zeile „betriebliche Festlegung“ nennt, gibt es kein einschlägiges Regelwerk; dann muss der Betrieb das Kriterium selbst festlegen und dokumentieren. Der Schwerpunkt liegt bewusst auf der TRGS 615, weil sie für diese Produktgruppe die dichteste und verbindlichste Zahlenbasis liefert.
| Messgröße / Prüfung | Intervall | Kriterium | Regelwerk / Bezug |
|---|---|---|---|
| Zustand vor der Konservierung | jede Charge | Oberfläche frei von Emulsions-, Salz- und Partikelrückständen; Restfeuchte geprüft. Bei restnassen Teilen entweder ein validierter Trocknungsschritt oder ein wasserverdrängendes Produkt; ein reines Konservierungsöl setzt eine nachweislich trockene Oberfläche voraus | TRGS 615, Nr. 2 (Produktgruppen); Entscheid zwischen Trocknen und Verdrängen als betriebliche Festlegung |
| Filmauftrag | Schichtbeginn und nach jeder Verfahrensänderung | Auflage über Differenzwägung an Referenzteilen; Sichtprüfung auf Fehlstellen an Auflagepunkten, Hinterschneidungen und Abtropfkanten | betriebliche Festlegung; Verfahren nach TRGS 615, Nr. 2 |
| Klima am Lagerort | kontinuierlich, mit Datenlogger | relative Luftfeuchte, Temperatur und Taupunktabstand; Korrosion ist oberhalb 40 % r. F. möglich und nimmt oberhalb 60 % rasch zu | GDV-Verpackungshandbuch; kritische Feuchte nach Korrosionsfachliteratur |
| Korrosivität des Standorts | bei Standort- oder Nutzungsänderung | Einstufung in C1 bis CX; Korrosionsrate unlegierten Kohlenstoffstahls im ersten Expositionsjahr, als Dickenverlust an Standardproben: höchstens 1,3 µm/a in C1 bis über 200 und höchstens 700 µm/a in CX | DIN EN ISO 9223 (2012-05), Tabelle 2 |
| Qualifizierung des Schutzzeitraums | bei Erstfreigabe sowie bei Änderung von Route, Jahreszeit, Verpackung oder Konservierung | Referenzteile mit ungünstigster Geometrie laufen in einer realen Sendung mit, Datenlogger im Packstück; Bewertung an zwei Zwischenpunkten und am Zielort gegen vorab schriftlich festgelegte Annahmekriterien | betriebliche Festlegung; Rostgrade nach DIN EN ISO 8501-1 (2007-12); Auspackprüfung nach GDV-Verpackungshandbuch |
| Vergleich zweier Konservierungen | bei Rezeptur- oder Lieferantenwechsel | Salzsprühnebelprüfung mit Angabe von Verfahren (NSS, AASS oder CASS), Substrat, Auflagenmenge und Prüfdauer; ohne diese Angaben ist ein Stundenwert nicht vergleichbar | DIN EN ISO 9227 (2024-10) |
| Feuchtebelastung ohne Salzfracht | bei Rezeptur- oder Lieferantenwechsel | Prüfung im Kondensations-Konstantklima bzw. in der Feuchtekammer | DIN EN ISO 6270-2 (2018-04); ASTM D1748-24 |
| Trockenmittelauslegung | je Verpackungsspezifikation | rechnerisch aus Volumen, Dichtheit, Materialfeuchte und Transportdauer; eine Trockenmitteleinheit nimmt mindestens 3,0 g Wasserdampf bei 20 % r. F. und 6,0 g bei 40 % auf | DIN 55474 (2015-03) für die Berechnung, DIN 55473 (2021-07) für den Beutel |
| Sperrschichtfolie | Wareneingang und Lieferantenfreigabe | Wasserdampfdurchlässigkeit gegen den vertraglich festgelegten Grenzwert; ohne dichte Hülle ist jede Trockenmittelmenge zu klein | Reihe DIN EN ISO 15106; das Messprinzip bestimmt den zutreffenden Teil (die frühere DIN 53122-2 wurde durch DIN EN ISO 15106-3 ersetzt). Prüfverfahren und Grenzwert im Beschaffungsvertrag festlegen |
| VCI-Anwendung | je Packvorschrift | Abstand VCI-Material zum Packgut höchstens 30 cm; Dosierung etwa 40 g Wirkstoff je m³ Luftraum; Schutzwirkung erst ab mindestens 10 °C | GDV-Verpackungshandbuch; TRGS 615, Nr. 2 |
| Sekundäre Amine im eingesetzten Mittel | Wareneingang, Prüfung des Sicherheitsdatenblatts | höchstens 0,2 % im Fertigprodukt; bei VCI-Verpackungsmaterialien mit bis zu 10 % Aktivsubstanz höchstens 0,02 % | TRGS 615, Nr. 4.2 und Nr. 5.1 |
| Nitrit und andere nitrosierende Agenzien | Wareneingang, Prüfung des Sicherheitsdatenblatts | bei VCI-Materialien, Fetten, Wachsen und nichtwassermischbaren Flüssigkeiten sind über 1,0 % Nitrit (als Natriumnitrit) oder über 0,1 % anderer nitrosierender Agenzien nur mit Überwachung zulässig, eine Absenkung unter 0,5 % ist anzustreben; wassermischbare und wassergemischte Mittel sind im Anlieferungszustand nitritfrei | TRGS 615, Nr. 4.3 |
| N-Nitrosamine in der Luft | regelmäßig, sofern das Mittel sekundäre Amine oberhalb der genannten Grenzen enthält | Stand der Technik: 0,2 µg/m³ für das Nitrosamin, das aus dem eingesetzten sekundären Amin entstehen kann | TRGS 615, Nr. 5.2 und 5.3; Messung nach TRGS 402 (September 2023) |
| N-Nitrosamine im Kreislaufbad | alle 6 Monate unterhalb der halben Grenze, alle 3 Monate zwischen halber Grenze und Grenze | N-Nitrosodiethanolamin höchstens 5 mg/kg, N-Nitrosomorpholin höchstens 1 mg/kg im Korrosionsschutzmittel | TRGS 615, Nr. 5.4 |
| Vermischung und Einschleppung | dauerhaft, in der Betriebsanweisung geregelt | Mittel mit sekundären Aminen nicht mit nitrithaltigen Zubereitungen mischen; Eintrag aus Staplerabgasen, Schweißrauch, nitrithaltigen Reinigern, Härtesalzen und vorkonservierten Zukaufteilen unterbinden | TRGS 615, Nr. 3.2 bis 3.4; GefStoffV, Anhang IV Nr. 31 |
| Hautkontakt | dauerhaft | Hautkontakt technisch auf das unvermeidliche Maß begrenzen; geeignete Schutzhandschuhe und Hautschutzplan aus der Gefährdungsbeurteilung ableiten | TRGS 615, Nr. 3.6; TRGS 401 (Oktober 2022, geändert 09/2024) |
| Entfernbarkeit des Films | bei Prozessfreigabe und nach jeder Änderung an Konservierung oder Reiniger | Restfilmprüfung nach dem festgelegten Reinigungsschritt, zum Beispiel Benetzungs- bzw. Wasserbruchprüfung oder gravimetrische Restextraktbestimmung | betriebliche Festlegung |
| Auspackprüfung | bei jeder Erstsendung auf einer neuen Route | Referenzteile auf Kondensat, Rostansatz und Filmzustand sichten und das Ergebnis dokumentieren | GDV-Verpackungshandbuch |
| Holzverpackung im Export | je Exportsendung | Holz ab 6 mm Stärke hitzebehandelt mit 56 °C Kerntemperatur über mindestens 30 Minuten, mit IPPC-Marke und registriertem Hersteller | ISPM 15 (IPPC/FAO) |
Belege: TRGS 615 (Mai 2007, GMBl 2007 S. 574) für sämtliche Grenzwerte, Intervalle und Verwendungsbeschränkungen; TRGS 402 (September 2023) für die Ermittlung der inhalativen Exposition; TRGS 401 (Oktober 2022, geändert 09/2024) für den Hautschutz; DIN EN ISO 9223 (2012-05), DIN EN ISO 9227 (2024-10), DIN EN ISO 6270-2 (2018-04), ASTM D1748-24, DIN 55473 (2021-07) und DIN 55474 (2015-03) für die Prüf- und Auslegungsverfahren; GDV-Verpackungshandbuch (Zugriff 09.08.2026) für Klima, VCI und Auspackprüfung; ISPM 15 für die Behandlung von Holzverpackungen.
↑ Zurück zum InhaltRegelwerk und Normen
Die folgende Aufstellung nennt die Ausgabestände, die am 09.08.2026 gültig waren. Normen werden zurückgezogen, ersetzt und umbenannt; prüfen Sie vor der Anwendung, ob eine neuere Fassung vorliegt.
| Bezeichnung | Ausgabe | Wofür zitiert |
|---|---|---|
| TRGS 615 | Mai 2007, GMBl 2007 S. 574 | Verwendungsbeschränkungen für Korrosionsschutzmittel, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können: Produktgruppen, Auftragsverfahren, Grenzwerte, Überwachungsintervalle, VCI ab 10 °C |
| TRGS 401 | Oktober 2022, zuletzt geändert GMBl 2024 S. 769 | Gefährdung durch Hautkontakt: Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen |
| TRGS 402 | September 2023, GMBl 2023 S. 898 | Ermitteln und Beurteilen der inhalativen Exposition |
| GefStoffV | Fassung vom 17.12.2025 | Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen; Anhang IV Nr. 31 zum Verbot von Mitteln, die zugleich sekundäre Amine und nitrosierende Agenzien enthalten |
| DIN EN ISO 8044 | 2025-05 (ISO 8044:2024) | Begriffe und Systematik der Korrosion und der Korrosionsarten; ersetzt die Reihe DIN 50900 |
| DIN EN ISO 9223 | 2012-05 | Korrosivitätskategorien C1 bis CX mit Korrosionsraten im ersten Auslagerungsjahr; Definition der Zeit der Benetzung |
| DIN EN ISO 9227 | 2024-10 (ISO 9227:2022 + Amd 1:2024) | Salzsprühnebelprüfungen NSS, AASS und CASS als Vergleichsprüfung |
| DIN EN ISO 6270-2 | 2018-04 (ISO 6270-2:2017) | Beständigkeit gegen Feuchtigkeit, Teil 2: Kondensation |
| ASTM D1748 | D1748-24 (November 2024) | Rostschutz von Metallschutzmitteln in der Feuchtekammer |
| DIN 55473 | 2021-07 | Trockenmittelbeutel; Definition der Trockenmitteleinheit |
| DIN 55474 | 2015-03, bei DIN Media als aktuelle Ausgabe geführt | Berechnung der erforderlichen Anzahl Trockenmitteleinheiten |
| ISPM 15 (IPPC/FAO) | international gültig | Behandlung von Holzverpackungen im internationalen Warenverkehr |
| DIN EN ISO 12944-2 | 2018-04 (ISO 12944-2:2017) | nur zur Abgrenzung: dauerhafter Korrosionsschutz durch Beschichtungssysteme, nicht temporäre Konservierung |
| DIN EN ISO 11997-3 / VDA 233-102 | 2024-01 bzw. 06/2013 | zyklische Korrosionsprüfung, vor allem in der Automobilzulieferung; für die temporäre Konservierung nur mittelbar einschlägig |
| DIN EN ISO 8501-1 | 2007-12, Revision im Entwurf | Rostgrade A bis D und Oberflächenvorbereitungsgrade |
| DIN 51360-2 | 1981-07, bei DIN Media als aktuelle Ausgabe geführt | nur zur Abgrenzung: Spanfilterversuch für wassergemischte Kühlschmierstoffe. Der Herbert-Test ist DIN 51360-1; beide werden regelmäßig verwechselt. Zum Ausgabestand von Teil 1 machen wir hier bewusst keine Angabe, weil er uns nicht aus einer autorisierten Normquelle vorlag |
| GDV-Verpackungshandbuch | laufend gepflegt, Zugriff 09.08.2026 | Korrosionsschutzmethoden, VCI-Dosierung und -Abstand, Trockenmittelauslegung, Besonderheiten des Seetransports |
Drei Nummern, die in Recherchen zu diesem Thema häufig auftauchen, gehören hier ausdrücklich nicht her. DIN 55476 ließ sich nicht belegen; DIN 55510 behandelt die modulare Koordination von Verpackungsmaßen und nicht den Korrosionsschutz; und die Reihe ISO 21227 bewertet Beschichtungsfehler per optischer Bildanalyse und hat mit VCI nichts zu tun. Ein eigenes deutsches Regelwerk speziell zur VCI-Prüfung haben wir nicht gefunden. Das heißt ausdrücklich „nicht gefunden“ und nicht „existiert nicht“.
Kein Ersatz für die Gefährdungsbeurteilung. Dieser Beitrag beschreibt den allgemeinen Stand von Technik und Regelwerk. Er ersetzt weder die Gefährdungsbeurteilung nach § 6 GefStoffV und TRGS 400 noch die Betriebsanweisung, die Unterweisung oder eine produktbezogene Freigabe. Verbindlich sind für jedes Produkt das aktuelle Sicherheitsdatenblatt und das technische Merkblatt sowie die im Betrieb geltenden Festlegungen. Die Verantwortung für Auswahl, Einsatzbedingungen, Überwachung und Dokumentation liegt beim Arbeitgeber.